Das Lehr-Lern-Modell fungiert in der Ausbildung des Allgemeinen Seminars als Referenz- und Strukturierungsrahmen. Es ist darüber hinaus Erkenntnismittel (Differenzierung von Lernerperspektive und Lehrerrolle), Planungsinstrument (für Entwürfe und Stundenraster), Kommunikationsmittel (Bezugsmodell für Begrifflichkeiten) und Reflexionsmittel (Kriterien der Unterrichtsbewertung).
Lehrende brauchen Modelle für Lehr-Lern-Prozesse; Lehrende haben Modelle für Lehr-Lern-Prozesse, denn niemand unterrichtet „modelllos“. Die Frage ist, wie implizit oder explizit diese Modelle das jeweilige Lehren bestimmen und wie öffentlich und transparent die Modelle und Vorstellungen sind. In der Ausbildung des Allgemeinen Seminars haben wir uns für ein Modell des Lehr-Lern-Prozesses entschieden, das der Ausbildung als Referenz- und Strukturierungsrahmen zugrunde liegt.
Viele gängige Lehr-Lern-Modelle sind bei genauerem Hinsehen bloße Lehr-Modelle, d.h. sie fokussieren auf das Lehren, auf das, was die Lehrkraft tut. Ein Lehr-Lern-Modell muss aber auf das Lernen fokussieren. Gute Lehrprozesse allein, bringen nicht zwingend gute Lernprozesse hervor. Das ist eine Warnung vor dem Lehr-Lern-Kurzschluss: Was gelehrt wird, wird auch gelernt.
Das vorliegende Lehr-Lern-Modell trennt deutlich zwischen Lehrprozessen und Lernprozessen unter Beachtung der gegenseitigen Wechselwirkung. Es weist die Aufgaben und Rollen zu: Die Lerner lernen, die Lehrkraft steuert, moderiert, und fördert die Lernprozesse. Sie übernimmt die volle Verantwortung für die professionelle Gestaltung der Lernumgebungen und für die Ermöglichung vieler optimaler Lernprozesse. Wenn das Lernen im Fokus des Modells steht, dann muss es zunächst die Lernschritte und die Aktivitäten der Lerner modellieren.

Steuerung 1: Aufgabenstellungen
Gute Aufgabenstellungen sind der Motor förderlicher Lernumgebungen. Aufgabenstellungen beinhalten Arbeitsaufträge, Lernmaterialien und Methoden. Letztere steuern maßgeblich den Lernvorgang und materialisieren die Lernumgebungen.
Steuerung 2: Lernmaterialien und Medien
In der Mitte des Lernens bearbeiten die Lernenden Lernmaterialien, stellen Lernprodukte her und diskutieren dieselben. Mit den Lernmaterialien (z.B. Gegenstände, Experimentiermaterialien, Bilder, Zeichnungen, Texte, Hörtexte, Filme, Comics, Sprechblasen, Berichte, …), die von Methoden und Medien (z.B. Lehrervortrag, Experiment, Film, Sachtext, Unterrichtsgespräch, multimediale Lernumgebung, Internetrecherche, Podcast, Experteninterview, …) begleitet sind, steuert die Lehrkraft die Lernprozesse material.
Die Steuerungen 1 und 2 sind meistens „Schreibtischprodukte“ der Lehrkraft, sind vorbereitet und haben materialen Charakter. Die Steuerungen 3 und 4 sind immer situativ und haben personalen Charakter.
Steuerung 3: Moderation
Der Lernprozess wird von der Lehrkraft moderiert und personal gesteuert. Ihrem professionellen Geschick obliegt es, die Lernmaterialien moderierend in den Lernprozess einzubinden und im Diskurs zu verhandeln. Die Moderation ist immer persönlich gefärbt, muss aber unabhängig von der Lehrerpersönlichkeit professionellen Standards genügen.
Steuerung 4: Rückmeldung und Reflexion
Von der Lehrkraft angeleitete Reflexionen über die Lernvorgänge (Metareflexionen) und individuelle qualifizierte Rückmeldungen durch die Lehrkraft sind im Lernprozess wichtig, um Könnensbewusstsein, Lernerpersönlichkeit und Selbstvertrauen zu entwickeln.
Das Lehr-Lern-Modell fungiert in der Ausbildung des Allgemeinen Seminars als Referenz- und Strukturierungsrahmen. Es ist darüber hinaus Erkenntnismittel (Differenzierung von Lernerperspektive und Lehrerrolle), Planungsinstrument (für Entwürfe und Stundenraster), Kommunikationsmittel (Bezugsmodell für Begrifflichkeiten) und Reflexionsmittel (Kriterien der Unterrichtsbewertung).
Die Ausbildung fokussiert auf:
- Das Lernen und die Professionalisierung in der Planung, Gestaltung und Organisation von Lernschritten,
- die Lehrleistungen und die Professionalisierung der Steuerungen von Lernprozessen,
- die Entwicklung der eigenen Lehrerpersönlichkeit.
Dementsprechend werden in der Ausbildung Pflichtmodule und Wahlmodule angeboten. Die Pflichtmodule entwickeln berufliche Grundkompetenzen.
- Die gelb markierten Module entwickeln Kompetenzen in Bezug auf die Planung, Gestaltung und Organisation von Lernschritten.
- Die hellblau markierten Module entwickeln die Kompetenzen in der Steuerung von Lernprozessen.
- Die grau markierten Module (sind nicht in der nachfolgenden Abbildung) dienen der Entwicklung der Selbstreflexion, des Könnensbewusstseins und der Lehrerpersönlichkeit.
